Ortsverband Kehl

BÜNDNIS 90 / DIE GRÜNEN

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Mobilitätskonzept näher betrachtet

Momentan gibt es auf unserer Webseite und auch auf Facebook lebhafte Diskussionen um das Mobilitätskonzept der Firma Modus Consult, welches im Herbst in der Stadthalle der breiten Bürgerschaft vorgestellt wurde. Besondere Kritik erfährt dabei der geplante Rendezvouspunkt für den Busverkehr, genauer gesagt seine skizzierte Lage auf der Großherzog-Friedrich-Straße.

Ich habe mich im letzten Vierteljahr umfassend damit auseinandergesetzt; da die Zeit, in der noch Änderungen konzipiert werden können, drängt, hier ein erster, Teilaspekte beleuchtender Debattenbeitrag.

Nicht fertig

Zunächst mal sei eins bemerkt: das vorgestellte und auf der Kehler Homepage downloadbare Konzept ist meines Erachtens nach nicht fertig, teilweise inkonsistent und in einigen Punkt schlicht falsch. So versucht man, in Goldscheuer Busse durch den Sonnenweg zu leiten, was völlig unmöglich ist. Einen Bus an einem warmen Sommertag am Hochwasserdamm entlangfahren zu lassen, hört sich nach "Mission Impossible" an.

Nahverkehrs-Probleme gelöst?

Für uns Grüne ist der Nahverkehr als Alternative zum Auto traditionell sehr wichtig. Beispiele aus anderen Städten zeigen, dass ein guter ÖPNV und eine gute Vernetzung mit dem Rad tatsächlich den Autoverkehr reduzieren helfen. Deshalb haben wir bereits im OB-Wahlkampf  auf unseren beiden Veranstaltungen Verbesserungen im Personennahverkehr angemahnt.

Das vorliegende Konzept bereitet mir aber Kopfschmerzen. Ich bin selbst jahrelang mit Bus und S-Bahn zur Arbeit gefahren. Ich denke daher, die meisten Probleme des ÖPNV in Kehl hautnah zu kennen:

  • teilweise schrottreifes fahrendes Material
  • mangelhafter Service
  • fehlende Ersatzverkehrsregelung (kommt kein Bus, kommt eben kein Bus)
  • überhaupt keine Fahrzeitinformation
  • ständige und anhaltende Verspätungen
  • vollgestopfte Schulbusse
  • Feierabend ist um 19:00 Uhr (und nein, das Anruf-Sammeltaxi ist kein brauchbarer Ersatz)
  • hohe Fahrkosten (auch durch niedrige Auslastung, über die Kosten des Eurotickets reden wir lieber nicht)
  • erbärmliche Anbindung vor allem der nördlichen Ortschaften, des Krankenhauses und des Hafens

Durchgehende Verbindungen zum Bahnhof gehören ausdrücklich nicht zu den Mängeln. Ebenso wenig wie eine örtlich und zeitlich mangelhafte Anbindung des Stadtzentrums. Eine verdichteter Fahrtakt im Zentrum auch nicht; das hört sich toll an, gehört aber meiner Meinung nach zu Schritt 2: Ausbau, wenn Kapazität nicht langt.

Ich nenne das gerne meine "To-Do-Liste". Schaut man an diese das Nahverkehrskonzept an, dann kann man im Prinzip nur unter dem letzten Punkt einen Haken setzen.

Man braucht auch nicht zu deren Abarbeitung nicht auf ein Konzept zu warten. Dazu bedarf es eines "Verbesserungsprozesses". Ein Prozess ist iterativ, Schritt auf Schritt, Problemdarstellung - Analyse - Konzept - Implementierung. Das Mobilitätskonzept hingegen versucht als "Verbesserungsholzhammer", alle Versäumnisse,  die wir länger schon thematisieren, auf einmal zu erledigen - irgendwann, vielleicht.

Mit Kleingeld kann man heute bereits die Querschnittslinie 301 bis 22 Uhr fahren lassen, die Streckenführung gen Hafen anpassen, Auenheim und Leutesheim besser vertakten und Querbach und Zierolshofen mit Kleinbussen besser anbinden. Und warum von diesen Kleinbussen nicht viel mehr? Diese sind flexibler und wendiger - Stichwort Rheindamm - und auch als Bürgerbus verfügbar.

Mit ein wenig Glück sind es dann Hydrid-Fahrzeuge, was umweltpolitisch für meine Begriffe sowieso opportun wäre. Diese haben sich im Betrieb in Offenburg bewährt; ihre Vorteile bei Feinstaub-, CO²- und Lärmemissionen sind enorm. Dies wird auch notwendig werden, wenn man auf ein Rendezvous-Konzept setzt.

Rendezvous oder nicht? So oder geht es auch anders?

Der Rendezvous-Punkt am Rathaus ist ja durch seine Auswirkungen - Umwandlung der Innenstadt in ein Einbahnstraßennetz - Hauptgegenstand der Diskussion. Das Bild, wo zwei Busse und das Dach des Haltepunkts die Sichtachse Großherzog-Friedrich-Straße "zumauern", wird dabei besonders kritisiert (das Bild ist gem. Konzept falsch; die Busse auf der rathauszugewandten Seite stehen mit dem Heck in Blickrichtung).

OB Vetrano hat jüngst in seiner Haushaltsrede verlauten lassen, die "Lage" des Halt am Rathaus stünde nicht mehr zur Diskussion. Das ist ein wenig unpräzise. Der "Standort" Rathausumfeld steht wohl fest; diesen zu ändern, dürfte fast unmöglich sein. Das hat seine Ursache in der sogenannten "Standardisierten Bewertung" der Tram. Im Prinzip ist das ein Kosten-Nutzen-Koeffizient, der über die Förderfähigkeit eines Verkehrsprojektes entscheidet. Dieser liegt nur bei einem Busbahnhof am Rathaus über der geforderten 1.

Die genaue "Lage" ist davon aber wohl nicht berührt, es gibt ja keine beschlussfähigen Entwürfe. Meiner Meinung nach kann man den Haltepunkt auch nicht beliebig verlegen. Im Prinzip gibt es wohl drei Varianten:

  1. Gem. Konzept als an die Seite gesetzter Bahnhof auf der Großherzog-Friedrich-Straße
  2. Auf der Großherzog-Friedrich-Straße, jedoch beidseitig als Standstreifen
  3. Parallel zum Tram-Endhaltepunkt auf der Hauptstraße vor dem Café Dreher (unter Schließung der Hauptstraße)

Mir gefällt Variante 3. Sie

  • erlaubt die Beibehaltung einer zweispurigen Großherzog-Friedrich-Straße und eliminiert so die Notwendigkeit eines Einbahnstraßensystems
  • verringert effektiv den Verkehr auf der Hauptstraße
  • vereinfacht die durch den Tramverkehr enorm zunehmende Komplexität der Verkehrsführung
  • erleichtert die gewünschte Anbindung des Rathausumfelds an die Fußgängerzone (dazu müsste die Großherzog-Friedrich-Straße auf ca. 80 m Länge baulich verändert und in eine Schritttempo-Strecke umgebaut werden)
  • erlaubt die optische "Verschmelzung" beider Bahnhöfe und damit symbolisch auch beider Verkehrssysteme und Kommunen
  • ähnelt viel stärker der funktionierenden Lösung in Bruchsal

Die im Mobilitätskonzept gefundene Lösung greift hingegen weit in das Umland ein, ohne plausibel einen Mehrwert darzustellen. Verkehrstechnisch kann die geplante Ausführung eigentlich nicht wie beschrieben funktionieren. Die Busse müssten immer rechtzeitig kommen, denn sie sollen ja in der richtigen Reihenfolge stehen, damit auch die Abfahrtsreihenfolge eingehalten wird. Ohne Ausweichspur - die in Bruchsal im Übrigen beidseitig vorhanden ist - erscheint das illusorisch.

Was an den bisherigen Wohnstraßen südlich des Rathauses denn falsch ist, wird nicht belegt. "Don't fix, if it's not broken" - ein alter Leitspruch der Softwareentwicklung - sollte hier eigentlich der Leitgedanke sein. Stattdessen wird hier etwas "passend gemacht".

Ein Umwelt- und Verkehrsproblem?

Dies bringt mich zu den von den Kritikern kolportierten umweltpolitische Herausforderungen. Die sollte man in der Tat diskutieren.

Nicht hinwegdiskutieren kann man, dass ein Busbahnhof ein neuer Feinstaub-Hotspot werden könnte. Deshalb erachte ich die Verwendung von Hybrid-Fahrzeugen als eminent wichtig. Diese sollten das Feinstaub-, aber auch das Lärm-Problem ganz oder zum Großteil eliminieren helfen.

Das mehr Verkehr in die umliegenden Wohnstraßen geleitet wird, damit geht das Mobilitätskonzept ganz offen um. Hier muss man freilich sagen, dass die Verkehrszahlen - gerade des Individualverkehrs - ohnehin kontinuierlich steigen, dass sie in der Bistromeile Hauptstraße besonders steigen und ein Ende nicht in Sicht ist. Wie aber vermeidet man Verkehr? Geht das, ohne den Verkehrsraum für den Individualverkehr unattraktiver zu machen? Geht das ohne attraktive Alternativen? Wahrscheinlich nicht.

So gesehen spielt ein weitere Teilaspekt - Fahrzeiten und Strecken - nicht die zentrale Rolle. Der Straßenverkehr wird durch die Tram sowieso verlangsamt; die Großherzog-Friedrich-Straße wird ihre bisherige Rolle in der Form nicht mehr spielen können.

Das liebe Geld

Ein gern vergessener Punkt ist die Finanzierung.

Schon hört man erste Gemeinderäte, denen nicht die Baukosten (Beton sells!) auf dem Magen liegen, sondern die späteren Betriebskosten. Statt hierin aber einen Grund zu sehen, die Herangehensweise zu ändern, wird es dazu führen, dass wir eine erstklassige Tram und einen Rendezvous-Halt erhalten; das Herz und die Seele des ÖPNV - der Fahrplan und das fahrende Material, schlussendlich also der Fahrgast - aber auf der Strecke bleiben.

Fazit

Insgesamt ist das Mobilitätskonzept notwendig; wir brauchen Verbesserungen beim ÖPNV. So eine Chance gibt es vielleicht nicht wieder. Es enthält außerdem auch viele lobenswerte Elemente und Grundsätze, vernachlässigt aber einige Elemente.

In der vorgelegten Form löst es meiner Meinung nach zu wenige Probleme. Ob in bisher niedrig frequentierte Wohnstraßen neue geschaffen würden, war nicht Gegenstand dieser Betrachtung, die Frage steht aber im Raum.

Wir Grünen werden jedenfalls das Thema im Januar umfassend diskutieren.

Dieser Debattenbeitrag stellt eine persönliche Meinung dar und nicht die Beschlusslage des Ortsverbands oder der Gemeinderatsfraktion.

Kommentare (5) -

Hans-Ulrich Müller-Russell
Hans-Ulrich Müller-Russell

Haben wir uns verzockt?

Spielautomaten sind weit verbreitet, weil sie einigen Mitmenschen das Gefühl geben, man könne ohne Anstrengung, ohne Arbeit, ohne Leistung zu Geld kommen. Erleben wir in der öffentlichen Diskussion über den öffentlichen Personennahverkehr in Kehl gerade etwas Ähnliches?

Städte und Gemeinden unternehmen seit Jahren erhebliche Anstrengungen, den Kfz-Verkehr aus dem Ortsinneren herauszuhalten. Nehmen wir Oberkirch. Für 50 Millionen Euro wurde eine Ortsumgehung gebaut, der Kfz-Verkehr wird an den Ortsrand verdrängt.

Kehl macht es umgekehrt, jedenfalls sieht das Mobilitätskonzept des Büros Modus Consult es so vor. Nachdem es schon bisher nicht gelungen ist, den Kfz-Verkehr halbwegs aus der Innenstadt herauszuhalten, holt man demnächst im 30-Minuten-Takt acht Busse ans Rathaus und lenkt sie durch derzeit noch ruhige Wohngegenden. Der Pkw-Verkehr muss hinterher, denn die ohnehin schon überlastete Nord-Süd-Achse ist dem Bündel von Tram, Bussen und Pkws nicht mehr gewachsen.

Wie wird diese Planungsentscheidung gerechtfertigt? Die Busse müssen in die Innenstadt, weil Bund und Land sonst kein Geld für die Tram herausrücken. Die Aussicht auf einen finanziellen Gewinn verdrängt andere öffentliche Belange wie Sicherheit im Straßenverkehr, Leben und Gesundheit der Bewohner, Umweltschutz ...

Wie konnte das passieren? Planungsprozesse bestehen im Wesentlichen aus Abwägungen. Zunächst wird in sorgfältigen Abwägungen die optimale Lösung gesucht. Dann wird geprüft, ob diese Lösung finanzierbar ist. So geschehen beispielsweise in Ulm. Zuerst haben Gemeinderat und Stadtverwaltung die optimale Lösung gesucht und gefunden und festgestellt, dass sie finanzierbar ist. Dann, aber auch erst dann hat die Stadt Mittel nach dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz beantragt (www.linie2-ulm.de/planfeststellungsverfahren.html, aufgerufen am 27.12.2014).

Schielt eine Gemeinde gleich auf den Fördermittel-Geldsack, statt zunächst eine umweltverträgliche Lösung zu suchen, verspielt sie ihre Planungshoheit. Ein Gemeinderatsmitglied hat das in der historischen Gemeinderatssitzung am 18.12.2013 vor der Abstimmung über die Tram-Verlängerung angesprochen, vergeblich.

Nun versprechen Stadtverwaltung und Gemeinderat Nachbesserung. Was dürfen wir erwarten? In Wohnstraßen könnte man Flüsterasphalt verlegen und Blumenkübel aufstellen, damit Busse und Pkws sie im Stop-and-go-Verkehr passieren. Man kann Hybrid-Busse ordern, weil man der Werbung der Hersteller vertraut und annimmt, der Schadstoff-Ausstoß sei deutlich geringer? (Ich fahre seit drei Jahren einen Hybrid-Pkw.) Man kann den zentralen Busbahnhof hin und her schieben, vom Rathaus zur Stadthalle und zurück, warum nicht vor das Rathaus? BM Krapp hat angekündigt, die Sicherheit für Radfahrer und Fußgänger werde erhöht werden, der Fußgänger werde auf dem Rathausvorplatz Vorrang genießen (KEZ vom 05.12.2014). Werden Tram und Busse dort demnächst vor jedem Fußgänger anhalten?

Genug der Augenwischerei! Das Übel "Zentraler Busbahnhof neben dem Rathaus" lässt sich nur an der Wurzel packen. Wie sollen wir es späteren Generationen erklären, dass wir einen zentralen Busbahnhof gegen alle Argumente der Vernunft am Rathaus und nicht am Bahnhof gebaut haben, wie es Verkehrsplaner empfehlen? Das Argument Fördermittel zieht dann nicht mehr, denn für die nicht unerheblichen Betriebskosten, man spricht von rund 1 Million jährlich, gibt es keine Fördermittel.

Lieber Herr Müller-Russell!

Sie haben recht. Macht man sich von den Geld anderer (oder anderen exogenen Faktoren) abhängig, verliert man Entscheidungsspielraum. Dieser war im Projekt Tram von Anfang an sehr gering.

OB Vetrano hat die Bürger bereits auf die nächste Entscheidung dieser Art vorbereitet. Ein Kombibad mit Straßburg, freilich irgendwo, wahrscheinlich nicht in Kehl.

Ursache hierfür ist die schwache Ertragslage des Haushalts der Stadt Kehl. Oder die überbordende Ausgabenlast, je nachdem wie man die Sache betrachtet. Über dieses Problem könnte man hier ganze Romane verfassen. Z.B. über die "Haushaltsstrukturkommission", die niemals tagte.

An dieses Grundübel aller Kehler Probleme müsste man dringend ran. Sachkundige Bürger gäbe es genug. Der Gemeinderat kann das auf Grund seiner Zusammensetzung kaum leisten.

Über die anderen Punkte können wir im neuen Jahr diskutieren.

Hochachtungsvoll


Markus Zoschke
B90'GRÜNE Kehl

Hans-Ulrich Müller-Russell
Hans-Ulrich Müller-Russell

Kennen Sie das südliche Tessin?

Das südliche Tessin, einst eine blühende Handelsregion in der Schweiz, wirkt auf den Besucher heute mancherorts gespenstisch: Öde Straßen mit leerstehenden Läden, geschlossenen Gaststätten. Was ist passiert?

Nach der Einführung des Euro 2002 entwickelte sich an der italienisch-schweizerischen Grenze ein Preisgefälle, das die Italiener in Scharen ins südliche Tessin lockte. Heute ist das längst Vergangenheit. Mit dem Beginn der Euro-Krise blieben die italienischen Kunden aus. Das Angebot in den Läden war überdimensioniert, Insolvenz war oft die Folge.

Kaum auszudenken, was mit einer grenzüberschreitenden Tram-Linie passiert wäre! Sie wäre stillgelegt oder höchst defizitär.

Mit des Geschickes Mächten ist kein ew'ger Bund zu flechten. Als Schiller das reimte, dachte er an Naturkatastrophen. Heute denken wir bei Planungsentscheidungen daran, dass wirtschaftliche Messwerte nicht selten stark schwanken, mittel- oder langfristige Vorhersagen also nicht möglich sind. Wer weiß, ob das Warensortiment und die Preise sich im EU-Binnenmarkt in zehn Jahren angeglichen haben? Was wird der Kehler Einzelhandel den Straßburgern dann anbieten können? Wie will die Stadt dann das Betriebskostendefizit von Tram und Bussen ausgleichen?

Da hilft keine Haushaltsstrukturkommission. Wenn nach der Zuordnung der spärlichen Mittel zu den Kosten der kommunalen Pflichtaufgaben fast nichts übrig bleibt, kann man nichts strukturieren. Die Kernfrage, stark vereinfacht, stellt sich jetzt so: Fördermittel um jeden Preis? Oder: Wollen wir ein Mobilitätskonzept umsetzen, das schon bald den kommunalen Haushalt, die Verkehrssicherheit und die Umwelt über Gebühr belastet?

Tilmann Krieg
Tilmann Krieg

Es gibt sie noch, die echten Grünen… Herr Zoschke, ich bin über Ihren analytischen Artikel sehr angetan!

"Nicht fertig" : Das Verkehrskonzept enthält auch weitere unausgegorene Absurditäten. So soll am Rhein durch den Wasserspielplatz eine gegenläufige Buslinie geführt werden. Pferdefuß: Ein Bus hat 2,5 m Breite + Sicherheitsabstand und Rückspiegel. Leider ist die Strasse nicht breit genug, ohne sich die Rückspiegel abzufahren.

"Nahverkehrsproblöm gelöst": Dieser Abschnitt ist so mannigfaltig - schwierig in Kurzform aufzudröseln, aber: In Bruchsal gehört das Rendez Vous System der Stadt. Die Busse sind von der "Stadtbus GmbH" gekauft (also kein schrottreifes Material zugelassen, sondern erhebliche Investitionen notwendig). Die Fahrer sind bei der Stadt angestellt und der gesamte Betrieb und die Bewirtschaftung sind bei der Stadt anhängig. Einschließlich ein Kostendeckungszuschuss von zwischen 800.000 und 1.200.000 p.a.

"Schulbusse vollgestopft": In Kehl - wie auch ursprünglich in Bruchsal - sind Schülerverkehre und Pendlerverkehre komplett ausgeklammert. Sonst würde sofort offensichtlich, dass Pendler am Bahnhof verteilt werden müssen (Die kommen nämlich nicht zum Rendez Vous, sondern um irgendwo hinzugelangen, wo sie arbeiten.

"Iterativer Verbesserungsprozess, Schritt auf Schritt, Problemdarstellung - Analyse - Konzept - Implementierung":
In der teuer erstellten Haushaltsbefragung zur Mobilität in Kehl von Modus Consult, wird festgestellt, dass sich in Kehler Haushalten durchschnittlich doppelt so viele Fahrräder finden, wie in vergleichbar großen Städten in BW. (Wer hätte das gedacht, in einer Stadt, die so eben ist, wie ein Pfannekuchen…). Da läge es doch nahe, ein Konzept zur Mobilität von daher zu denken, möglichst viel ÖPNV durch Fahrräder zu erschließen - also Radwegekonzept gleichwertig mit Anbindung an Tram und Busse und dann vielleicht - ähnlich wie in Offenburg ein "RAD-HAUS" zur sicheren Unterbringung der Fahrräder. Und wo ist das RAD HAUS in Offenburg? Etwa am RATHAUS?? Falsch vermutet, es ist natürlich am Bahnhof und dort ist auch der Busbahnhof. Alles hübsch dort, wo es hingehört.

Kleinbusse - Hybridfahrzeuge - alles was Sie hier vorschlagen ist berechtigt. Es gibt inzwischen auch Niederflur Kleinbusse, auch Behinderten gerecht. (Damit hatten die Bruchsaler nämlich anfangs große Probleme). Nur - mit der SWEG ist das gesamte Konzept offensichtlich noch nicht mal besprochen. Wenn man solche Fahrzeuge will - dann müsste sie doch die Stadt - ebenso wie in Bruchsal - selbst anschaffen, warten und betreiben.

Ein Detail aus Ihrem Resumée: Ich denke, die Busse stehen in meiner Illustration richtig, mit der Nase Richtung Geigerkreuzung. Sie sollen ja alle in Fahrtrichtung ankommen und zwar stadtauswärts (So wurde es jedenfalls in der Stadthalle vorgestellt.) Daher fahren sie durch die Oberländerstrasse. Goldscheuerstrasse, Alte Zollstrasse und dann an der Stadthalle vorbei, um in Zweierreihe neben dem Rathaus einzulaufen. (Anmerkung: Ein Gelenkbus - wie in der Stadthalle angekündigt - hat 18 Meter Länge + Minimum 4 m Rangier- und Sicherheitsabstand. Macht also 22 m x 4 = 88 m. Das heißt, wenn der erste Bus Vorderkante Rathaus steht, endet der letzte irgendwo Mitte Stadthalle, also fast in der Kurve).

Ihre favorisierte "Variante 3" und die Schlüsse, die Sie daraus ziehen. Ist vielleicht zu kompliziert, in einem Kommentar zu diskutieren, kommt aber m.E. einer guten Lösung nahe. Doch halte ich den Punkt, wo alles zusammenfließt am Bahnhof unverhandelbar. Am Rathaus, bzw. Umfeld Stadthalle ließe sich aber mit ein bisschen Feinjustierung eine sehr schöne und kostenschonende Lösung realisieren, die allem gerecht wird. Wir sollten mal darüber sprechen.

Die Einbahnstrassen Regelung durch Wohngebiete wird viel Ärger bringen und wäre nicht nötig. Mein Vorschlag wäre, die geplante Verkehrsführung mal 6 Monate lang zu testen, bevor man Millionen in einen neuen Busbahnhof (neudeutsch Rendez-Vous) investiert. Es ist genügend Zeit, um diese Erfahrungen auszuwerten.

Noch eine Ihrer Positionen möchte ich korrigieren: In Bruchsal laufen 5 Linien in den Rendez-Vous Punkt ein. Alle ausschließlich von der Stadtbus GmbH, die anderen "allgemeinen" Buslinien halten dort nicht. Die Busse sind gegenläufig, das heißt jeweils 2 in Ost-West Richtung, drei in West-Ost Richtung (West= Richtung Franz-Bläsi Strasse und Bahnhof, Ost= Schloßstrasse. Eine Ausweichspur ist in Bruchsal nur in Ost - Westrichtung vorhanden. In umgekehrter Richtung steckt der Bus rettungslos fest, wenn ein Bus vor ihm liegen bleibt.
In Kehl sollen hingegen 8 Busse in EINER Richtung stehen, das heißt, 16 Busse pro Stunde müssen - aus welcher Richtung auch immer - durch ein enges Einbahnstrassensystem pünktlich und in richtiger Reihenfolge einfahren - und das Tag für Tag, ohne Aussetzer oder Verspätungen.

Ich erkläre ebenso, wie Sie, das dies meine persönliche Meinung ist - nicht stellvertretend für irgendeine Initiative, den AK-Stadtentwicklung, nicht irgendwelchen persönlichen Interessen verpflichtet - abgesehen vielleicht der, des gesunden Menschenverstandes. Und gerade das macht mich zuversichtlich, dass wir doch in Kehl zu einer Lösung kommen können, die unsere Stadt wirklich attraktiver macht, ohne negative Auswirkungen auf einen großen Teil deren Bewohner.

Geehrter Herr Krieg!

Zunächst mal wollte ich mit dem Artikel zeigen: wir diskutieren intensiv. So gesehen gibt es im Ortsverband ausschließlich "echte Grüne". Momentan ist der Haushalt - besonders nach der Rede von OB Vetrano - wichtiger. Nicht zu vergessen die Schulentwicklung.

Trotzdem, das Thema bleibt aktuell. Komischerweise scheint es keinen "Fahrplan" zu geben, wie es nun genau weitergeht.

Meine Ausführungen bzgl. der Abbildung basieren auf dem auf der Homepage der Stadt Kehl downloadbaren Material. Dort: Nahverkehr-Planung.pdf, Variante 2.2, Seiten 11-15! Die gestrichelten Linien sind die wegführenden. Die Busse sollen demnach alle mit den Türen zur Insel stehen.

Kann gut sein, dass dies nicht korrekt ist. Was soll ich dann aber davon halten? Kann man erwarten, dass für ein so tiefgreifendes Projekt stets aktuelle Informationen verfügbar sind?

Das die Stadt selbst die Busse betreibt, davon ist Kehl weit weg. Ein Eigenbetrieb würde direktere Kontrolle über die Qualität der Aufgabenerfüllung erlauben. Offenburg fährt insofern ein Hybridkonzept.

Der Kostendeckungszuschuss zu den heutigen Bussen beträgt etwa 300.000 €. Die Frage stellt sich automatisch: wie viel Verbesserungen kann man schrittweise und mit Augenmaß beispielsweise mit 400.000 oder 500.000 € erreichen?

Was ich nicht gelten lasse, ist das Argument, besserer ÖPNV würde die Stadt ruinieren. Die Stadt leistet sich für 2 Millionen € Ortsverwaltungen und mehrere marode Bäder. Sie gibt ein Schweinegeld für Grünflächenpflege aus, was auch immer unter diesen Haushaltsposten fällt.

Für den Fahrradverkehr enthält das Mobilitätskonzept recht überzeugende Regelungen, inkl. des Fahrradparkhauses am Bahnhof. Die Analyseteile halte ich für die positiven Bestandteile des Konzepts.

Ich habe aber auch Fragen: was soll denn nach Ansicht der Kritiker anstelle des Rendezvouspunktes treten? So bleiben kann es ja nicht.

Gruß,

Markus Zoschke

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