Ortsverband Kehl

BÜNDNIS 90 / DIE GRÜNEN

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Stellungnahme zum Interview mit Josef Daldrup in der Kehler Zeitung

Zunächst mal ein grundsätzliches Lob an die Redaktion der Kehler Zeitung: das ist ein wunderbarer Beitrag zur Diskussion und ein gut geführtes Interview!

Es ist auch positiv, dass sich der Investor in Neuried nun endlich mal bewegt und etwas zur Debatte beiträgt. Wie bei so vielen Dingen, die sich um das Thema Tiefengeothermie, hakt es dann aber wieder am Detail. Hier tun sich sowohl Daldrup, als auch die BI nichts: die Fakten werden nach Zweck gebogen.

Einige Beispiele aus dem Interview.

  1. Herr Daldrup blendet aus, dass das Bergamt RLP eindeutig festgestellt hat, dass die Hebungen um das Kraftwerk herum nicht durch ein Leck in drei Metern Tiefe stammen können. Es wird vermutet, dass in mindestens 500m Tiefe in der Reinjektionsbohrung ein weiteres Leck ist. Hier werden vom Bergamt und von der Stadt Landau nach wie vor Nachbesserungen erwartet.
  2. Kein Wort zu der durch eine Tochterfirma von Airbus Defence durchgeführten Satellitenüberwachung, die nicht nur Hebungen und Senkungen im Wertebereich +18 bis -30 mm festgestellt (das sind nicht nur "ein paar mm"), sondern auch Horizontalverschiebungen von mehreren Zentimetern. Es wurde dokumentiert, dass der Boden mit Stilllegung des Kraftwerks zur Ruhe kam. Das nennt man Beweis durch Kontraposition.
  3. Er blendet außerdem aus, dass es inzwischen auch Wunsch der Stadtverwaltung Landaus ist, das Kraftwerk nicht mehr anzufahren.
  4. Ebenso hat das Landauer Kraftwerk momentan keine Unterstützung in der RLP-Landespolitik.
  5. Die nächste Wohnbebauung liegt nicht 15-20 km entfernt, sondern ganze 600 m. Das ganze Gelände ist mit Gewerbe überplant.
  6. Der Gemeinderat Kehl hat einer Verlängerung der Aufsuchungserlaubnis unter Auflagen zugestimmt, jedoch keiner konkreten Bohrung.

Bedauerlich und einer sachlichen Diskussion nicht förderlich finde ich seine Ansicht, die Landauer BI hätte die Kehler quasi verrückt gemacht. Es stimmt, die Argumentation der hiesigen BI fügt dem Landauer Standpunkt nichts hinzu.

Sich aber hinzustellen und zu kolportieren, dass es keine anderen Quellen Kritiker gäbe, das ist daneben. Die o.g. Punkte habe ich von keiner BI, sondern von der Stadt Landau und ministerialen Quellen. http://bodenhebungen-landau.de/.../Presse-Info-272...

Für Daldrup ist das ohne Not kontraproduktiv. Natürlich, die Projekte Landau und Neuried sind sehr unterschiedlich, der bloße Erfahrungsunterschied von 6 Jahren im Allgemeinen und von Daldrup im Besonderen sind zu bedenken. Die Qualitätsanforderungen sind in BaWü seit 2011 viel höher als in RLP. Und es ist wahr, Daldrup ist für die desolate Situation in Landau nicht primär verantwortlich (das war ein öffentlich-rechtliches Betreiber-Konglomerat nebst polnischer Bohrfirma). Vielleicht ist die Diskussion auch deshalb etwas zu einseitig auf die Risiken ausgerichtet und damit unfair. Wir jedenfalls würden auch gerne über die Chancen der Technologie sprechen.

Genau diese "Kleinigkeiten" sind es aber, die das doch so gewünschte und benötigte Vertrauen erschüttern. Wenn jemand hier schon die Fakten biegt, wie sieht es dann erst im Betrieb aus.

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